Kritik an den Finfluencern und den Content Produzenten in der Finanzszene
In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der Finanzinformationen nur einen Klick entfernt sind, haben sich Content Produzenten und Finfluencer als scheinbar zugängliche Quelle für Finanzwissen etabliert. Die vorliegenden Erkenntnisse aus den Monaten April 2024 bis September 2025 beleuchten die vielschichtigen Herausforderungen, die sich aus diesem Spannungsfeld ergeben.
Der Kampf gegen die Windmühlen (September 2025)
Learning: Es ist ein systematisches Problem, das YouTube-Finanzkanäle gezielt Emotionen ansprechen, um den Konsumenten zu beeinflussen. Im täglichen Geschehen auf YouTube ist es eher die Regel als die Ausnahme. Ich kann darauf verweisen, abstellen kann ich es nicht. Die wesentlichen Punkte habe ich herausgearbeitet. Neue Erkenntnisse bei weiteren Recherchen erwarte ich nicht mehr.
Finfluencer wehren sich (August 2025)
Learning: Die jüngsten Klagen von Finfluencern gegen Kritiker, die sich anscheinend auf formale Verstöße statt auf Inhalte konzentrieren, sind eine Taktik zur Einschüchterung. Dieses Vorgehen kann durchaus als illegitim angesehen werden. Es verdeutlicht, dass selbst prominente und öffentlich anerkannte Finfluencer vorrangig geschäftliche Interessen verfolgen.
Bewertung der YouTube-Kanäle (Juli 2025)
Learning: Einige YouTube-Kanäle können bei Zuschauern kognitive Verzerrungen (Biases) hervorrufen. Diese unbewussten Denkfehler führen dazu, dass Informationen voreingenommen wahrgenommen werden, was besonders an den Finanzmärkten zu Fehlentscheidungen führen kann.
Finfluencer und Finanzbildung: Ein fundamentaler Zielkonflikt (Juli 2025)
Learning: Im Kern ist der Widerspruch zwischen Finanzbildung und Finfluencern also der zwischen Langfristigkeit, Tiefe und Unabhängigkeit auf der einen Seite und Kurzfristigkeit, Spektakel und wirtschaftlichen Anreizen auf der anderen Seite. Für den Konsumenten bedeutet dies, dass eine kritische Haltung und die Fähigkeit, seriöse von reißerischen Inhalten zu unterscheiden, sind wichtiger denn je.
Irreführende und unrealistische Versprechen (Juni 2025)
Learning: Gerade wenn unerfahrene Anleger unter dem Einfluss von Finfluencern uninformierte und hochriskante Entscheidungen treffen, die nicht zu ihrer finanziellen Situation oder Risikobereitschaft passen, erhöht dass die Wahrscheinlichkeit erheblicher finanzieller Verluste und untergräbt das Vertrauen in den Finanzmarkt insgesamt.
Interessenkonflikte und Intransparenz (Juni 2025)
Learning: Finfluencer stehen oft im Konflikt zwischen ihren eigenen finanziellen Interessen und der Objektivität ihrer Informationen, da sie sich durch Kooperationen oder eigene kostenpflichtige Angebote finanzieren. Da kostenlose Finanzinhalte allein nicht existenzsichernd sind, ist es entscheidend, die Geschäftsmodelle der Finfluencer zu durchleuchten, um deren potenzielle Interessenkonflikte zu erkennen. Dies ist besonders wichtig für unerfahrene Anleger, die Schwierigkeiten haben, solche Verflechtungen zu identifizieren.
Ein differenzierter Blick auf die Qualifikation (Juni 2025)
Learning: Unter den Produzenten von Finanzinhalten gibt es hochqualifizierte Experten. Fehlende Qualifikation kann aber zu falschen Anlageentscheidungen und Renditeeinbußen bei den Anlegern führen kann. Der persönliche Eindruck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Er reflektiert, wie authentisch und vertrauenswürdig eine Person durch ihre Kommunikation wirkt.
Bedarfsinkongruenz: Diskrepanz zwischen Informationsangebot und -bedürfnis (Mai 2025)
Learning: Wenn der Content nicht zum Informationsbedürfnis passt, ist er entweder überfordernd, langweilig oder schlicht nutzlos. Für Konsumenten heißt das, bewusst nach Quellen zu suchen, die ihre spezifischen Fragen beantworten und sie nicht mit irrelevanten oder zu komplexen Informationen überladen.
Monetarisierung von Finanzinhalten (Mai 2025)
Learning: Gerade Finfluencer bewegen sich in einem komplexen Spannungsfeld zwischen dem Wohl ihrer Community und den eigenen Geschäftsinteressen. Während viele Transparenz bei Kooperationen und Affiliate-Links zeigen, existieren auch intransparente Methoden, die schwer zu durchschauen sind. Diese Grauzone birgt erhebliche Risiken für Konsumenten.
Content Creatoren und Finfluencer sind "alte Bekannte (Mai 2024)
Learning: Die meisten Akteure sind keine unabhängigen Content-Ersteller mehr, sondern "alte Bekannte" aus der Finanzbranche. Besonders auf YouTube dominieren professionell betriebene Kanäle, die von der reinen Finanzbildung zu kostenpflichtigen Dienstleistungen übergegangen sind. Für Konsumenten birgt dies die Chance, potenzielle Interessenkonflikte leichter zu erkennen, da der kommerzielle Hintergrund der "Finfluencer" oft offensichtlicher
Bildungs-, Informations- und Beratungsangebote -
der mögliche Beitrag von Content Creatoren und Finfluencern April 2024)
Learning: Content Creatoren und Finfluencer bewegen sich im Bereich der Finanzbildung und der Bereitstellung von Finanzinformationen. Sie sind weder befähigt noch berechtigt Anlageberatung-/Vermögensberatung durchzuführen. Sie kann aus fachlichen und regulatorischen Gründen nur von Honorarberatern übernommen werden.
Ein erster Versuch einer Abgrenzung: Content Creator, Influencer, Finfluencer (April 2024)
Learning: Ein Content Creator konzentriert sich auf das Erstellen und Teilen von Inhalten, während ein Influencer den Einfluss auf sein Publikum als Hauptziel hat, wofür er Inhalte als Mittel zum Zweck nutzt. Die Besonderheit der Finfluencer ist, dass sie sich auf Finanzprodukte und -dienstleistungen spezialisiert haben.
Beträge
Der Kampf gegen Windmühlen (September 2025)
Am Ende ist es ein Kampf gegen die Windmühlen, den ich nicht gewinnen kann. Fast jedes Mal wenn ich mir einen YouTube-Finanzkanal und den Hintergrund genauer anschaue, entdecke ich Interessenkonflikte und muss mir die Frage stellen, ob hier für Konsumenten mehr Schaden als Nutzen entstehen kann.
So habe ich durchaus Verständnis, dass YouTube-Kanäle versuchen durch Werbung oder Partnerschaften Einnahmen zu generieren oder ihre Dienstleistungen und Produkte bewerben. Kein Verständnis habe ich, wenn gezielt Emotionen angesprochen werden, um die Konsumenten in seinem Sinne zu beeinflussen. Nur ist das im täglichen Geschehen auf YouTube eher die Regel als die Ausnahme.
Deshalb habe ich in den letzten zwei, drei Wochen sogar überlegt, meine Aufstellungen wieder von der Webseite zu nehmen. Denn auch ich setze mit meinen Aufstellungen falsche Anreize. Allerdings habe ich inzwischen Disclaimer hinzugefügt und auf Risiken mehrfach hingewiesen.
Inhaltlich bin ich an einen Punkt angelangt, wo ich für mich einen Abschluss gefunden habe. Mit weiteren Recherchen werde ich keine weiteren grundlegenden Erkenntnisse mehr erzielen. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich keine weiteren Artikel zu dem Thema schreiben werde.
Meine Erhebung werde ich erst einmal fortführen. Ich habe noch wie vor Interesse an der Szene und möchte sie weiter beobachten. Wenn es etwas zu kommentieren gibt, werde ich das auf LinkedIn und X machen. Auch auf gute und interessante Beiträge werde ich dort verweisen.
Finfluencer wehren sich (August 2025)
Nachdem rechtliche Schritte gegen Thomas Beutler von einem Finfluencer eingeleitet wurden, geht nun auch die Finflow GmbH (Finanzfluss, Überfluss, Copilot, Loop) gegen Prof. Dr. Hartmut Walz rechtlich vor. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es in beiden Fällen nicht um die Inhalte der Kritik. Die dürfte durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein.
Für mich ist das eine Strategie, bei der eine kritisierte Person oder Unternehmen versucht, eine Kritik zu unterdrücken oder zu delegitimieren, indem sie rechtliche oder formelle Verstöße geltend macht, anstatt sich inhaltlich mit der Kritik oder nicht nur inhaltlich mit der Kritik auseinanderzusetzen.
Das Ziel solcher Straregien ist es, den Kritiker durch die Androhung rechtlicher Schritte zum Schweigen zu bringen. Es ist oft eine Methode, um die Kosten und den Aufwand für eine rechtliche Auseinandersetzung zu nutzen, um den Gegner zu zermürben, unabhängig davon, ob die Vorwürfe tatsächlich stichhaltig sind.
Die Person oder das Unternehmen, die sich auf formelle Verstöße beruft, mag im Recht sein, wenn ein Verstoß tatsächlich vorliegt. Das Motiv dahinter, nämlich die Unterdrückung von Kritik, wird jedoch in der Öffentlichkeit oft als fragwürdig und illegitim betrachtet. Es ist ein Versuch, eine Debatte durch rechtliche Manöver zu gewinnen, anstatt durch bessere Argumente.
Der Fokus auf formale Verstöße anstatt auf eine inhaltliche Ausneinandersetzung führt zu einer Verschärfung der Forderungen nach einer Regulierung der Finfluencer. Meiner Ansicht nach bestärkt dies Verbraucherschutzverbände in ihrem Bestreben, die Handlungsfreiheit zu beschneiden und die bestehenden rechtlichen Grauzonen aufzulösen.
Jedem sollte bewusst sein, dass kostenlose Inhalte von Finfluencern nicht uneigennützig sind, sondern stets kommerzielle Absichten verfolgen. Dieser Fall beweist, dass auch etablierte und als vorbildlich angesehene Persönlichkeiten davon nicht ausgenommen sind.
Bewertung der YouTube-Kanäle (Juli 2025)
Wer mir folgt weiß, dass ich schon länger versuche, den Risiken gerecht zu werden, die mit kostenlosen Finanzinformationen verbunden sind. Deshalb habe ich überall Disclaimer eingebaut, wenn ich auf YouTube-Kanäle hinweise.
Das größte Problem besteht aber darin, dass die Risiken für den Anleger dadurch entstehen, dass er nicht über ausreichendes Wissen oder Erfahrung verfügt. Das beste Beispiel sind YouTube-Kanäle, die sich mit dem kurzfristigen und sehr aktiven Handel beschäftigen (Trading). Die Kanäle haben teilweise sehr gute Inhalte, sind aber wahrscheinlich für den größten Teil der Anleger nicht geeignet. Bei solchen Kanälen eine Warnung auszusprechen oder eine Red Flag zu setzen, würde viele Kanalbetreiber in ein falsches Licht rücken.
Deshalb habe ich dann auch mit Einzelkritiken für die Bewertung der YouTube-Kanäle angefangen, die mir mehr Raum für die Bewertung lassen und die mich nicht in eine Kategorisierung zwingen, die ich nicht durchhalten kann.
Es gibt aber ein Typus von Kanälen, auf die ich bereits jetzt hinweisen möchte. Es sind die Kanäle, die aus meiner Sicht zu kognitiven Verzerrungen (Bias) bei den Zuschauern zu führen können.
Kognitive Verzerrungen entstehen dadurch, dass wir Informationen auf eine voreingenommene Weise wahrnehmen, interpretieren, erinnern und verarbeiten. Diese Verzerrungen sind oft unbewusst und können von persönlichen Erfahrungen, Emotionen oder der Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, beeinflusst werden. Unsere Wahrnehmung der Realität ist dann oft nicht mehr objektiv. Das kann zu Fehlern bei Entscheidungen und Urteilen führen, besonders in komplexen Situationen wie an den Finanzmärkten.
"Gier frisst Hirn" beschreibt in den Zusammenhang treffend, wie eine starke Emotion (Gier) die rationale Entscheidungsfindung (Hirn) außer Kraft setzen kann. Es ist zwar keine direkt benannte kognitive Verzerrung im Sinne der Psychologie, aber es ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für das Ergebnis verschiedener Biases, die durch Gier verstärkt werden. Wenn Gier dominiert, werden Biases wie der Optimismus-Bias (Überschätzung eigener Chancen), der Bestätigungsfehler (Ignorieren von Risiken) oder der Herdentrieb (dem Hype folgen) besonders stark. Man übersieht Warnsignale und geht übermäßige Risiken ein, weil der Wunsch nach schnellem, großem Gewinn die Vernunft trübt. Es ist also eher eine Folge oder ein Katalysator für irrationales Verhalten, das durch kognitive Verzerrungen entsteht.
Ein anderer Klassiker ist das ständige Reden über bevorstehende Crashs. Auch das kann ein Beispiel für kognitive Verzerrungen sein. Es könnte vom Negativitäts-Bias (Fokus auf Negatives) oder der Verfügbarkeits-Heuristik (überschätzte Wahrscheinlichkeit, weil oft gehört) getrieben sein, oder auch vom Bestätigungsfehler (Suche nach Bestätigung eigener Ängste). Solche Äußerungen können auch Angst schüren und zu irrationalen Entscheidungen führen.
Wenn ich Kanäle aufführe, bei denen kognitive Verzerrungen entstehen können, ist dass sicherlich auch auf meine Erfahrungen im Finanzbereich geschuldet. Wenn ich teilweise die Anzahl der Aufrufe sehe und die durchaus positiven Kommentare lese, könnte der Eindruck entstehen, dass ich der Geisterfahrer bin und dass das meiner Anlagestrategie, meinem Mindset geschuldet ist. Ich weiß aber aus vielen Rückmeldungen, dass ich hier mit meinem Eindruck nicht alleine stehe.
Learning: Einige YouTube-Kanäle können bei Zuschauern kognitive Verzerrungen (Biases) hervorrufen. Diese unbewussten Denkfehler führen dazu, dass Informationen voreingenommen wahrgenommen werden, was besonders an den Finanzmärkten zu Fehlentscheidungen führen kann.
Finfluencer und Finanzbildung: Ein fundamentaler Zielkonflikt (Juli 2025)
Die Welt der Finanzen ist komplex, und der Bedarf an Orientierung und Wissen ist ungebrochen. Doch während klassische Finanzbildung auf langfristige, fundierte Wissensvermittlung abzielt, operieren Finfluencer – Finanz-Influencer in sozialen Medien – in einem völlig anderen Ökosystem. Dieser Unterschied führt zu einem fundamentalen Zielkonflikt, der beide Ansätze oft unvereinbar erscheinen lässt.
Finanzbildung: Das Fundament der Erkenntnis
Echte Finanzbildung ist ihrem Wesen nach Wissen. Sie basiert auf etablierten ökonomischen Prinzipien, empirischen Daten und langfristigen Strategien. Ihr Charakter ist eher statisch: Grundregeln der Budgetierung, das Prinzip des Zinseszinseffekts, die Funktionsweise von Asset-Allokation oder die Risikostreuung sind zeitlos und ändern sich nicht täglich. Einmal vermittelt, bleiben diese Konzepte im Wesentlichen bestehen.
Gerade diese Beständigkeit ist jedoch ihr "Nachteil" in der Aufmerksamkeitsökonomie der sozialen Medien. Finanzbildung ist unspektakulär, sie lebt nicht von Schlagzeilen oder schnellen Trends. Sie bedient nicht den kurzfristigen Reiz, sondern den langfristigen Erkenntnisgewinn. Der Prozess ist oft mühsam und erfordert Geduld – Eigenschaften, die im schnellen Takt der sozialen Medien kaum belohnt werden.
Finfluencer: Gefangen in der Aufmerksamkeitsspirale
Genau hier offenbart sich der Kern des Widerspruchs. Um in den sozialen Medien überhaupt wahrgenommen zu werden und bestehen zu können, müssen Finfluencer die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie und der Algorithmen bedienen. Dies erfordert:
- Ständigen Nachschub an "neuem" Content: Algorithmen bevorzugen Aktualität und Frequenz. Was einmal gesagt ist, ist schnell vergessen, wenn nicht ständig neue Anreize geboten werden. Dies zwingt Finfluencer, immer wieder neue, vermeintlich frische Perspektiven oder "Geheimtipps" zu präsentieren, auch wenn die zugrunde liegenden Finanzprinzipien sich nicht geändert haben.
- Alarmismus und Sensationen: Negative Schlagzeilen, extreme Prognosen oder das Versprechen vom "schnellen Reichtum" erzeugen Engagement. Inhalte, die Emotionen wie Angst (vor dem Verpassen, vor Verlusten) oder Gier (nach hohen Gewinnen) ansprechen, werden bevorzugt ausgespielt. Dies kann dazu führen, dass komplexe Sachverhalte vereinfacht, überzogen oder sogar verzerrt dargestellt werden, um Klicks und Interaktionen zu generieren.
- Monetarisierung als Triebfeder: Ohne die Monetarisierung ihrer Inhalte – sei es durch Werbeeinnahmen, Affiliate-Marketing für Finanzprodukte, Kooperationen oder den Verkauf eigener Kurse – können Finfluencer auf Dauer nicht existieren. Diese wirtschaftliche Notwendigkeit kann einen starken Anreiz schaffen, Inhalte zu produzieren, die maximalen Profit versprechen, anstatt maximale Bildung. Die Versuchung ist groß, Produkte zu bewerben, die gute Provisionen abwerfen, auch wenn sie nicht immer die beste Lösung für die Zielgruppe sind.
Die Konsequenzen des Konflikts
Dieser grundlegende Konflikt führt dazu, dass Finfluencer, selbst mit bester Absicht, oft gezwungen sind, von den Prinzipien fundierter Finanzbildung abzuweichen. Statt tiefergehendes Wissen zu vermitteln, entsteht eine Tendenz zu:
Oberflächlichkeit: Komplexe Finanzthemen werden auf kurze, eingängige Formate reduziert, die oft wichtige Nuancen und Risiken außer Acht lassen.
Kurzfristigkeit: Der Fokus liegt auf aktuellen Trends, "heißen" Aktien oder schnellen Gewinnstrategien, anstatt auf langfristigem Vermögensaufbau.
Verzerrung: Um Aufmerksamkeit zu erregen, können Risiken heruntergespielt oder Chancen übertrieben dargestellt werden.
Interessenkonflikten: Die Notwendigkeit der Monetarisierung kann zu Interessenkonflikten führen, bei denen die Empfehlung von Produkten im Vordergrund steht, die dem Finfluencer selbst den größten Nutzen bringen.
Learning: Im Kern ist der Widerspruch zwischen Finanzbildung und Finfluencern also der zwischen Langfristigkeit, Tiefe und Unabhängigkeit auf der einen Seite und Kurzfristigkeit, Spektakel und wirtschaftlichen Anreizen auf der anderen Seite. Für den Konsumenten bedeutet dies, dass eine kritische Haltung und die Fähigkeit, seriöse von reißerischen Inhalten zu unterscheiden, sind wichtiger denn je.
Ich möchte in dem Zusammenhang auf zwei Blogbeiträge von Prof. Dr. Harmut Walz hinweisen:
Pseudo-Finanzbildung vom 26.04.2024
Keine Finanzmissbildung, bitte !
Irreführende und unrealistische Versprechen (Juni 2025)
Einer der zentralen und am häufigsten vorgebrachten Kritikpunkte an Finfluencern betrifft ihre irreführenden und unrealistischen Versprechen. Diese Versprechen sind jedoch nicht nur ein Problem, sondern bieten uns gleichzeitig eine wichtige Chance, problematische Finfluencer zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.
Bevor ich Beispiele für irreführende und unrealistische Versprechen nenne, möchte ich noch auf eine Möglichkeit hinweisen, wie auch unerfahrene Anleger solche Versprechen identifizieren können. Selbst beobachte ich, dass immer öfter Konsumenten der Beiträge kritisch eingestellt sind und in den Kommentaren zu den Beiträgen auf problematische Inhalte hinweisen. Hier kann ich den Anleger nur empfehlen, solche Kommentare ernst zu nehmen.
in Aussicht stellen von schnellem Reichtum
Viele Finfluencer suggerieren, dass sich durch bestimmte Anlagestrategien oder Produkte rasch und ohne großen Aufwand erhebliche Gewinne erzielen lassen. Dies schürt unrealistische Erwartungen und ignoriert die Realität, dass nachhaltiger Vermögensaufbau in der Regel ein langfristiger Prozess ist, der Geduld und Disziplin erfordert.
"Früher arm, heute halbe Millionen - in nur 7 Jahre", "Immobilien Millionär mit 25", "Wie ich mit dieser Strategie 1 Millionen verdient habe", "Von 28.000 Schulden zum Multimilliomnär", "So wirst du Millionär mit wenig Gehalt" sind Beispieltitel bei denen Anleger hellhörig werden sollten.
überhöhte Renditeerwartungen
Es werden oft beispielhafte Renditen kommuniziert, die entweder auf Ausnahmen, spekulativen Nischen oder schlichtweg nicht replizierbaren historischen Daten basieren.
Der Anleger sollte hier kritisch gegenüber Finfluencer werden, wenn Renditen über 8% in Aussicht gestellt werden. Je nach gewählten Zeitraum entspricht das der Obergrenze der möglichen Marktrendite eines MSCI World.
Verharmlosung von Risiken / Vereinfachung
Dies ist besonders kritisch. Finfluencer neigen dazu, die potenziellen Verluste oder die Komplexität bestimmter Finanzinstrumente herunterzuspielen. Dazu werden Sachverhalte oft übermäßig vereinfacht , was zu einem falschen oder unvollständigen Verhältnis beim Anlageger führen kann. Dies gilt insbesondere für Optionen, Derivate und Kryptowährungen. Massive Kursschwankungen und das Potenzial für Totalverlust oder Betrug werden oft zugunsten der Aussicht auf schnelle Gewinne ausgeblendet.
Aktive Handelsansätze (Trading)
Finfluencer werben häufig mit dem Reiz des aktiven Tradings und der Möglichkeit, täglich oder wöchentlich Gewinne zu erzielen. Dabei werden die extrem geringen Erfolgsquoten von Privatanlegern im aktiven Handel, die hohen Transaktionskosten und der enorme Zeit- und Wissensaufwand, der dafür nötig wäre, systematisch verschwiegen.
Learning: Gerade wenn unerfahrene Anleger unter dem Einfluss von Finfluencern uninformierte und hochriskante Entscheidungen treffen, die nicht zu ihrer finanziellen Situation oder Risikobereitschaft passen, erhöht dass die Wahrscheinlichkeit erheblicher finanzieller Verluste und untergräbt das Vertrauen in den Finanzmarkt insgesamt.
Interessenkonflikte und Intransparenz (Juni 2025)
Interessenkonflikte sind Situationen, in denen die persönlichen oder finanziellen Interessen einer Person ihre professionelle Objektivität oder ihre Verpflichtung gegenüber Dritten (in diesem Fall den Anlegern) beeinträchtigen könnten. Viele Finfluencer finanzieren sich über Kooperationen, Affiliate-Links, Werbung oder gesponserte Inhalte, was nicht immer transparent offengelegt wird. Auch hier begeben sich Finfluencer oft in eine Grauzone, weil sie den gesetzlichen Vorgaben nicht ausreichend gerecht werden.
Gerade für unerfahrenene Konsumenten von Beiträgen ist es oft schwer solche Interessenkonflikte zu erkennen. Meine Empfehlung ist deshalb, sich das Impressum und die Webseite des Finfluencers anzuschauen. Die Finfluenzer bieten oft Dienstleistungen wie kostenpflichtige Kanalmitgliedschaften, Vergleichsportale, Börsenbriefe, Coachings, Schulungsangebote, Seminare und Foren an (Abofallen). Sie nutzen ihre Reichweite, um ihre Angebote offen aber auch verdeckt zu bewerben.
Es ist eine unbestreitbare Realität: Niemand kann seine Existenz allein durch die kostenfreie Bereitstellung von Finanzinformationen sichern. Dies gilt nicht nur für die Betreiber von Social-Media-Kanälen, sondern auch für die Experten, die dort interviewt werden. Zeit ist ein kostbares Gut, und in der Geschäftswelt wird kaum jemand seine Expertise oder seine Arbeitszeit ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen.
Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage: Welche Interessen verfolgen diese Personen und entstehen daraus potenzielle Interessenkonflikte? Die Annahme, dass Finanzinhalte ohne kommerzielle Absicht verbreitet werden, ist naiv und ignoriert die ökonomischen Realitäten. Hinter scheinbar kostenlosen Informationen steckt fast immer ein Geschäftsmodell, das diese Inhalte finanziert.
Learning: Finfluencer stehen oft im Konflikt zwischen ihren eigenen finanziellen Interessen und der Objektivität ihrer Informationen, da sie sich durch Kooperationen oder eigene kostenpflichtige Angebote finanzieren. Da kostenlose Finanzinhalte allein nicht existenzsichernd sind, ist es entscheidend, die Geschäftsmodelle der Finfluencer zu durchleuchten, um deren potenzielle Interessenkonflikte zu erkennen. Dies ist besonders wichtig für unerfahrene Anleger, die Schwierigkeiten haben, solche Verflechtungen zu identifizieren.
Ein differenzierter Blick auf die Qualifikation (Juni 2025)
Bevor ich die potenziellen Problembereiche einer mangelnden Qualifikation bei Content Creatoren und Finfluencern detailliert beschreibe, ist mir wichtig klarzustellen, dass ich dabei mögliche Risikofelder aufzeigen möchte, nicht pauschal alle Produzenten von Finanzinhalten abwerten möchte. Denn trotz der oft fehlenden regulatorischen Legitimation, formalen Ausbildung oder Zertifizierung gibt es in diesem Bereich durchaus Personen, die profundes Fachwissen und hohe Qualifikation besitzen. Anerkannte Experten, die auch als Content Creatoren und Finfluencer agieren, können in keiner Weise ein Vorwurf hinsichtlich mangelnder Sachkenntnis gemacht werden. Meine Ausführungen zielen darauf ab, insbesondere die strukturellen Herausforderungen des "Finfluencings" zu beleuchten, nicht individuelle Kompetenzen zu beurteilen.
Deshalb ist jeder Einzelfall zu prüfen und kann nicht pauschal beurteilt werden. Ansatzpunkte sind Ausbildungen, Berufserfahrungen und Reputation.
Auch die Kommunikationsweise einer Person sind entscheidende Indikatoren für deren Qualifikation. Qualifizierte Experten legen Interessenkonflikte offen, formulieren realistische Erwartungen statt unrealistischer Versprechen und betonen stets die Notwendigkeit einer individuellen Prüfung von Empfehlungen. Sie erklären komplexe Sachverhalte verständlich ohne übermäßige Vereinfachung, stützen ihre Aussagen auf belegbare Quellen und gehen konstruktiv mit Kritik um.
Der fundamentalste Mangel liegt in der fehlenden regulatorischen Legitimation: Content Creatoren und Finfluencer benötigen im Gegensatz zu lizenzierten Finanzberatern keine BaFin-Erlaubnis und unterliegen daher keiner staatlichen Aufsicht oder den damit verbundenen strengen gesetzlichen Sorgfaltspflichten wie der Geeignetheitsprüfung.
Ihnen mangelt es oft an der formalen Ausbildung und den Zertifizierungen, die für lizenzierte Finanzberater Pflicht sind, wie etwa IHK-Prüfungen. Ihr Wissen stammt meist aus Eigenstudium und ist oft oberflächlich, da es die Breite und Tiefe eines professionellen Fundaments in Bereichen wie Steuerrecht oder Risikomanagement vermissen lässt. Daher fokussieren sie sich häufig auf spezifische Produkte statt auf eine ganzheitliche Finanzplanung, die alle Aspekte des Anlegerlebens berücksichtigt.
Die Inhalte von Finfluencern können zu Oberflächlichkeit und übermäßiger Vereinfachung komplexer Finanzthemen neigen, wodurch wichtige Details verloren gehen und Risiken verharmlost werden. Oft steht der Fokus auf schnelle Gewinne, angetrieben durch die Monetarisierung über Klicks, was zu spekulativen Empfehlungen führt. Eine mangelnde Objektivität aufgrund von Interessenkonflikten (z.B. durch Kooperationen) sowie die fehlende individuelle Eignungsprüfung können ihre generischen Ratschläge für Anleger oft ungeeignet machen. Zudem verzerren oft persönliche Erfolgsgeschichten das Bild, indem sie Verluste oder durchschnittliche Ergebnisse ausblenden (Survivorship Bias).
Ein Besonderheit ist, dass unqualifizierte oder sogar negativ qualifizierte Finfluencer oft eine größere Reichweite und damit mehr Einfluss auf die Anlageentscheidungen ihrer Follower haben als ihre qualifizierten Pendants. Ihre Inhalte sind häufig übertrieben optimistisch oder pessimistisch, was zu impulsiven Kauf- oder Verkaufsentscheidungen anregt und somit mehr Engagement generiert. Dies verleitet Follower dazu, bewährte, langfristige Anlagestrategien zugunsten sprunghafter und unüberlegter Wechsel zwischen verschiedenen Anlageformen aufzugeben, was ihre Rendite negativ beeinträchtigt.
Learning: Unter den Produzenten von Finanzinhalten gibt es hochqualifizierte Experten. Fehlende Qualifikation kann aber zu falschen Anlageentscheidungen und Renditeeinbußen bei den Anlegern führen kann. Der persönliche Eindruck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Er reflektiert, wie authentisch und vertrauenswürdig eine Person durch ihre Kommunikation wirkt.
Bedarfsinkongruenz: Diskrepanz zwischen Informationsangebot und -bedürfnis (Mai 2025)
Ein Content Creator und Finfluencer kann noch so qualifiziert sein, noch so transparente Angaben machen, sich auf Information zu Finanzthemen beschränken, keine irreführenden und unrealistische Versprechen machen – wenn die Inhalte nicht dem entsprechen, was der Anleger wissen oder lernen möchte und lernen kann, sind sie irrelevant. Das Informationsbedürfnis variiert dabei stark von Anleger zu Anleger:
- ein Anfänger benötigt grundlegende Erklärungen zu Begriffen wie "Aktie" oder "ETF", während ein erfahrener Anleger vielleicht tiefgehende Analysen zu Derivaten oder speziellen Marktstrategien sucht
- Anleger mit prognosefreien Anlagestrategie benötigen Informationen, die ihnen helfen, eine robuste, diversifizierte und kostengünstige Anlagestrategie langfristig umzusetzen, psychologische Fallen zu vermeiden und sich nicht von kurzfristigen Marktgeräuschen beeinflussen zu lassen
- Anleger mit aktiven Anlagestrategien müssen kontinuierlich lernen, Informationen filtern und ihre Strategien anpassen. Der Informationsbedarf ist enorm und die korrekte Interpretation und Nutzung dieser Daten entscheidend für ihren (potenziellen) Erfolg
- jemand, der sich für langfristige Altersvorsorge interessiert, hat andere Fragen als jemand, der aktiv Daytrading betreiben möchte
- manche suchen nach reiner Bildung, andere nach konkreten Anlageideen.
Passende Inhalte zu finden, ist eng an den eigenen Anlegertyp und den Umfang des einen Finanzwissen geknüpft. Denn erst aus dem persönlichen Profil leiten sich die spezifischen Informationen ab, die ein Anleger zur Unterstützung seiner Finanzanlage benötigt. Aus dem vorhandenen Wissen ergibt sich, welch Informationen er richtig einschätzen und verwerten kann. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die Inhalte tatsächlich die individuelle Anlagestrategie fördern und nicht zu riskanten, emotionalen Fehlentscheidungen führen.
Gerade Finfluencer stehen vor der ständigen Herausforderung, aufmerksamkeitsstarke Inhalte zu produzieren. Dies gelingt ihnen oft nur, indem sie sich auf das Informationsbedürfnis aktiver Trader und sehr erfahrener Anleger konzentrieren. Logischerweise können sie auch nur an diese spezifischen Zielgruppen ihre kostenpflichtigen Dienstleistungen verkaufen. Schließlich wird das Bereitstellen von grundlegenden Informationen, etwa zu einem MSCI World-Sparplan, kaum das Auskommen eines Finfluencers auf Dauer sichern.
Ein Kernproblem dabei ist, dass der angebotene Content oft nicht zum tatsächlichen Informationsbedürfnis der breiten Masse passt. Finanzanlagen sind für die meisten Anleger ein Mittel zum Zweck, nicht der Selbstzweck. Finfluencer versäumen es jedoch häufig zu erklären, warum eine bestimmte Empfehlung für den Anleger relevant sein sollte. Ihre Ratschläge stehen oft isoliert im Raum und zielen auf kurzfristige Optimierung ab, während Anleger in Wirklichkeit immer persönliche Ziele mit ihrer Geldanlage verbinden.
Learning: Wenn der Content nicht zum Informationsbedürfnis passt, ist er entweder überfordernd, langweilig oder schlicht nutzlos. Für Konsumenten heißt das, bewusst nach Quellen zu suchen, die ihre spezifischen Fragen beantworten und sie nicht mit irrelevanten oder zu komplexen Informationen überladen.
Klickbaiting: die gezielte Ansprache von Emotionen (Mai 2025)
Finfluencer bedienen sich einer breiten Palette an Strategien und Taktiken, um Aufmerksamkeit zu generieren und ihre Reichweite in den sozialen Medien zu maximieren.
Klickbaiting ist eine Online-Marketing-Taktik, die einzig darauf abzielt, durch reißerische, oft irreführende oder unvollständige Überschriften und Vorschaubilder maximale Klicks zu generieren. Es ist meine klare Überzeugung, dass das nachträgliche Relativieren von Aussagen im eigentlichen Inhalt diese Praxis nicht entschärft. Der Trigger wurde bereits gesetzt und die erste irreführende Botschaft hat ihre Wirkung entfaltet.
Neben Klickbaiting ist auch die gezielte Ansprache von Emotionen wie Gier, Angst, Hoffnung, Euphorie und der "Fear Of Missing Out" (FOMO) in den Beiträgen ein zentrales Element zur Erzeugung von Aufmerksamkeit. Sie nutzen diese menschlichen Triebe, um Inhalte viral gehen zu lassen, Klicks zu generieren und das Engagement ihrer Follower zu steigern. Beispielsweise werden durch das Versprechen schneller Gewinne oder das Schüren von Angst vor einem bevorstehenden Marktabsturz starke emotionale Reaktionen hervorgerufen.
Gerade diese Emotionen stehen dem langfristigen Erfolg bei der Finanzanlage diametral entgegen. Finanzmärkte sind komplex, unvorhersehbar und folgen keiner emotionalen Logik. Wenn Anleger ihre Entscheidungen von Gier oder FOMO leiten lassen, neigen sie dazu, in überhitzte Märkte einzusteigen, unrealistische Risiken einzugehen und "heißen Tipps" blind zu folgen. Umgekehrt führen Angst und Panik oft zu voreiligen Verkäufen bei Kursrückgängen, was realisierte Verluste zur Folge hat und die Erholung nach einem Abschwung verpasst.
Solche emotionsgesteuerten Reaktionen halten Anleger von rationalen, disziplinierten Entscheidungen ab, die für den Vermögensaufbau unerlässlich sind. Sie führen zu suboptimalen Verhaltensweisen, wie übermäßigem Handel (der Transaktionskosten verursacht), mangelnder Diversifikation oder dem Verlassen einer einmal etablierten, langfristigen Anlagestrategie. Kurz gesagt: Auf emotionalen Impulsen basierende Handlungen auf den Finanzmärkten resultieren häufig in teuren Fehlern, die die angestrebte Rendite massiv schmälern oder sogar zu erheblichen Verlusten führen können.
Learning: Finfluencer nutzen oft Klickbaiting und die gezielte Ansprache von Emotionen (wie Gier, Angst, FOMO), um Aufmerksamkeit zu erregen und ihre Reichweite zu maximieren. Da Finanzmärkte komplex sind und Emotionen rationale Entscheidungen behindern, verleiten solche Taktiken Anleger zu undisziplinierten, kostspieligen Fehlern, die langfristig den Anlageerfolg gefährden.
Die Bedarfsermittlung und Risikoprofilanalyse als unüberwindbare Hürde für Content Creatoren und Finfluencer (Mai 2025)
Die Nicht-Würdigung der individuellen Anlegersituation durch Content Creatoren und Finfluencer ist einer der zentralen Gründe für die kritische Betrachtung ihrer Tätigkeit. Die unterlassene Durchführung einer detaillierten Bedarfsermittlung und Risikoprofilanalyse birgt unmittelbar finanzielle und psychologische Risiken für den Anleger. Nur wenn eine Anlagestrategie exakt auf diese individuellen Faktoren abgestimmt ist, kann sie erfolgreich sein und dem Kunden dabei helfen, seine finanziellen Ziele zu erreichen, ohne ihn nachts schlaflos zu machen oder in finanzielle Nöte zu bringen. Das Ignorieren der persönlichen Situation führt fast zwangsläufig zu ungeeigneten Empfehlungen und potenziellen Problemen (vgl. Bedarfsermittlung und Risikoprofilanalyse, siehe unten).
Die Forderung nach einer detaillierten Bedarfsermittlung und Risikoprofilanalyse ist nicht willkürlich, sondern beruht auf Jahrzehnten wissenschaftlicher Forschung (vgl. Wissenschaftliche Grundlagen, siehe unten)
Die fehlende Berücksichtigung dieser fundamentalen Schritte steht in direktem Widerspruch zu den etablierten Standards einer verantwortungsvollen Finanzanlageberatung. Diese Standards und die damit verbundenen strengen Anforderungen an den Anlegerschutz werden seitens der BaFin und führender Verbraucherschutzverbände vehement eingefordert.
Es sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen: Content Creatoren und Finfluencer stoßen bei der individuellen Bedarfsermittlung und Risikoprofilanalyse unweigerlich an ihre Grenzen. Ihre Empfehlungen sind naturgemäß nicht auf den einzelnen Anleger zugeschnitten, sondern von allgemeiner Natur. Selbst wenn sie die fachliche Kompetenz dazu hätten, fehlen ihnen die notwendigen regulatorischen Voraussetzungen (unabhängiger Honorar-Berater §93 WpHG / Honorar-Finanzanlagenberater §34h GewO), um eine solche individuelle Beratung überhaupt leisten zu dürfen.
Learning: Jeder Finanzinhalt sollte kritisch hinterfragt werden, falls nicht explizit und prominent auf die notwendige individuelle Prüfung von Empfehlungen hinsichtlich des persönlichen Bedarfs und Risikoprofils hingewiesen wird. Ein versteckter Disclaimer genügt nicht; eine verantwortungsvolle Kommunikation erfordert, diese Grundlage klar in den Vordergrund zu rücken, um Fehlinterpretationen und unnötige Risiken für Anleger zu vermeiden.
Monetarisierung von Finanzinhalten (April 2025)
Während viele Finanzinhalte anfänglich tatsächlich aus einer intrinsischen Motivation heraus – dem Wunsch, Wissen zu teilen oder zu helfen – online gestellt werden, zeigt die Praxis, dass sich die Zielsetzung schnell wandelt. Sobald sich Möglichkeiten zur Monetarisierung eröffnen, transformiert sich das ursprüngliche Engagement nicht selten in ein Geschäftsmodell. Dies scheint ein verbreitetes menschliches Verhaltensmuster zu sein und liegt wohl in der menschlichen Natur begründet.
Mir scheint der Bedarf nach der Monetarisierung von Finanzinhalten insbesondere bei Finfluencern gegeben zu sein, die YouTube- und PodCast-Beiträge produzieren oder auf einer Webseite Inhalte zur Verfügung stellen. Inwiefern das auch für Inhalte gilt, die auf Instagram oder Tic Toc eingestellt werden, kann ich nicht sagen.
Die Einnahmen aus dem YouTube-Partnerprogramm stehen oft in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Aufwand der Erstellung der Inhalte. Durch die Veröffentlichung von Podcasts und Inhalten auf eigenen Webseiten werden keine Einnahmen generiert. Dies wirft die zentrale Frage nach ihren eigentlichen Zielen und den dahinterstehenden Monetarisierungsstrategien auf.
Learning: Gerade Finfluencer bewegen sich hier in einem komplexen Spannungsfeld zwischen dem Wohl ihrer Community und den eigenen Geschäftsinteressen. Während viele Transparenz bei Kooperationen und Affiliate-Links zeigen, existieren auch intransparente Methoden, die schwer zu durchschauen sind. Diese Grauzone birgt erhebliche Risiken für Konsumenten.
Direkte Erlöse über YouTube
- YouTube-Partnerprogramm: Die direkten Werbeeinnahmen über YouTube sind oft nicht kostendeckend für den hohen Produktionsaufwand.
- Aufmerksamkeitsökonomie (u.a. Clickbaiting): Hier beginnt das Ringen um Aufmerksamkeit. Oft wird mit Emotionen wie Angst, Gier oder FOMO (Fear Of Missing Out) gearbeitet, um Konsumenten anzulocken. Dies ist grundsätzlich kritisch zu sehen, auch wenn der dahinterstehende Inhalt manchmal dennoch qualitativ hochwertig sein kann.
Indirekte Erlöse & Partnerschaften
- Affiliate-Marketing: Es ist davon auszugehen, dass Partner, deren Produkte oder Dienstleistungen über Affiliate-Links beworben werden, in den Beiträgen wohlwollend behandelt werden. Diese Kooperationen sind oft nicht explizit gekennzeichnet, sollten aber für aufmerksame Konsumenten gut erkennbar sein.
- Sponsoring: Sobald ein Sponsor oder dessen Produkte thematisiert werden, kann ein Interessenkonflikt unterstellt werden. Solche Partnerschaften sind meist für den Konsumenten erkennbar, und seriöse Kanäle weisen transparent darauf hin.
- Werbung in Beiträgen: Bei Aussagen zu Werbepartnern ist der Kanalbetreiber nicht frei von Interessenkonflikten. Dies ist für Konsumenten in der Regel leicht erkennbar.
- Produktplatzierung: Produktplatzierungen, ob bewusst oder unbewusst, sind für mich persönlich weniger dramatisch und gehen in Ordnung.
Eigene Produkte & Dienstleistungen
- Kostenpflichtige Kanalmitgliedschaften (z.B. auf YouTube): Das Angebot exklusiver Inhalte über solche Mitgliedschaften ist eine legitime Monetarisierungsmöglichkeit.
- Kostenpflichtige Informationsangebote außerhalb von YouTube: Dazu zählen beispielsweise Börsenbriefe oder detaillierte Aktienanalysen. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da das Thema "Abofallen" und der tatsächliche Mehrwert der Angebote kritisch zu prüfen sind.
- Kostenpflichtige Mitgliedschaften in Gruppen außerhalb von YouTube: Dies betrifft moderierte Foren, Discord-, Telegram- oder Patreon-Kanäle. Auch hier besteht das Risiko von "Abofallen" und der fragwürdige Mehrwert der angebotenen Inhalte.
- Werbung für Coaching, Akademien, Kurse, Seminare: Nicht die Werbung an sich ist das Problem, sondern die Angebote selbst. Diese können überteuert, nutzlos oder sogar schädlich sein, müssen es aber nicht. Eine genaue Prüfung des Inhalts und des Anbieters ist unerlässlich.
Zweifelhafte & Kritische Monetarisierungsformen
- Gekaufte Beiträge und gekaufte Interviews: Dies stellt ein klares Red Flag dar, da solche Inhalte von Konsumenten nur schwer als bezahlt erkannt werden können. Kanalbetreiber werden dies typischerweise leugnen, da das Bekanntwerden solcher Praktiken die Reputation eines Kanals nachhaltig zerstören würde.
Kanäle von Unternehmen oder Medien
- Finanzdienstleister als Kanalbetreiber: Wenn Banken, Broker, Börsen, Fondsanbieter oder Vermögensberater einen Kanal betreiben und dies klar erkennbar ist, besteht zwar ein Interessenkonflikt (sie bewerben ihre eigenen Produkte), dies ist aber in der Regel unproblematisch, da die Quelle transparent ist.
- Medien, Verlage, Informationsportale als Kanalbetreiber: Auch nicht alle Medienhäuser verfolgen ausschließlich altruistische Ziele; man denke an Praktiken wie Frontrunning. Bei etablierten Mainstream-Medien sollte dies jedoch aufgrund des hohen Reputationsrisikos weniger problematisch sein.
Content Creatoren und Finfluencer sind "alte Bekannte" (April 2025)
In dem Abschnitt werde ich zeigen, wer unsere Content Creatoren und Finfluencer eigentlich sind. Und um es vorwegzunehmen, ist sind zum größtenteils "alte Bekannte" aus der Finanzbranche die wir dort antreffen. Gerade wenn ich mir die YouTube-Kanäle anschaue, werdet Ihr dort zu 80% - 90% nur Akteure aus der Finanzbranche finden:
Finanzmedien (Finanzjournalisten, -publikation, -nachrichtenportale; journalistische Prinzipen; nicht reguliert; unabhängig)
Wissenschaftler (wissenschaftliche Prinzipen; nicht reguliert; unabhängig)
Informationen der Finanzintermediäre (Banken, Brooker, Fondsanbieter) und Märkte (Börsen) (reguliert/abhängig)
Provisionsberater/Makler (abhängig/reguliert),
Honorarberater (unabhängig/reguliert) und Vermögensverwalter/Finanzportfolioverwaltung (unabhängig/reguliert)
Verbraucherberatungen (Verbraucherzentralen; Finanzaufsichtsbehörden; Stiftungen; gemeinnützige Vereine; nicht reguliert; unabhängig)
Herausgeber von Börsenbriefen/Kanalmitgliedschaften (Hybridform zwischen Finanzmedien und Analysten; nicht reguliert; im Prinzip unabhängig)
Content Creatoren und Finfluencer im engeren Sinne (vgl. "Erster Versuch einer Abgrenzung") sind dagegen schon fast eine aussterbenden Art. Kanäle ohne eigenständige kostenpflichtige Dienstleistungen werden immer seltener. Das ist aber auch leicht begründbar. Die dann doch eher nebenberuflich agierenden Kanalbetreiber können mit den professionell betriebene Kanälen mit den entsprechenden Budgets und Infrastruktur nicht mithalten.
Für den Konsumenten liegt darin aber auch eine Chance, weil er sehr leicht erkennen kann, welche mögliche Interessenkonflikte vorliegen. Hier sei aber auch darauf hingewiesen, dass die Interessenkonflikte weder problematisch sein können oder zu verurteilen sind. Wenn jemand kostenfreien Content zur Verfügung stellt, kann das durchaus einen Mehrwert für die Konsumenten haben.
Learning: Die meisten Akteure sind keine unabhängigen Content-Ersteller mehr, sondern "alte Bekannte" aus der Finanzbranche. Besonders auf YouTube dominieren professionell betriebene Kanäle, die von der reinen Finanzbildung zu kostenpflichtigen Dienstleistungen übergegangen sind. Für Konsumenten birgt dies die Chance, potenzielle Interessenkonflikte leichter zu erkennen, da der kommerzielle Hintergrund der "Finfluencer" oft offensichtlicher wird.
Bildungs-, Informations- und Beratungsangebote -
der mögliche Beitrag von Content Creatoren und Finfluencern (April 2025)
Bei en Blidungs-, Informations- und Beratungsangebtoten unterscheiden wir zwischen Finanzbildung, Bereitstellen von Finanzinformationen, Finanz-/Anlageberatung und Vermögensberatung. Es stellt sie die Fragen welchen Beitrag Content Creatoren und Finfluencer leisten können.
1. Finanzbildung
Finanzbildung ist die Fähigkeit, Finanzwissen zu verstehen und effektiv anzuwenden, um fundierte Entscheidungen in finanziellen Angelegenheiten zu treffen.
Content Creatoren und Finfluencer können einen wertvollen ersten Kontaktpunkt zur Finanzwelt darstellen und eine motivierende Rolle für die Finanzbildung übernehmen, insbesondere für junge Menschen oder Personen, die bisher wenig Zugang zu Finanzthemen hatten. Sie können komplexe Inhalte zugänglicher machen und das Bewusstsein für die Relevanz der eigenen Finanzen schärfen.
Viele Content Creatoren und Finfluencer verfügen über keine formale Ausbildung oder Lizenz im Finanzbereich. Ihr Wissen basiert oft auf persönlichen Erfahrungen oder Selbststudium, was nicht ausreichen kann, um fundierte und ausgewogene Informationen zu liefern.
Handelt es sich im Finfluencer, ist dabei aber zu beachten, dass komplexe Finanzthemen oft vereinfacht werden, um sie für kurze Social-Media-Formate passend zu machen. Wichtige Details, Risikohinweise oder Nuancen können dabei verloren gehen. Dies kann zu einem falschen oder unvollständigen Verständnis beim Anleger führen und unrealistische Erwartungen wecken (z.B. "schnell reich werden").
2. Bereitstellen von Finanzinformationen
Das Bereitstellen von Finanzinformationen ist die allgemeine, nicht-personalisierte Weitergabe von Wissen und Daten rund um Finanzthemen. Sie zielt darauf ab, das allgemeine Verständnis für Finanzmärkte, Produkte und wirtschaftliche Zusammenhänge zu fördern (allgemeines Finanwissen, Markt- und Wirtschaftsanalysen, produktspezifische Informationen, praktische Tips und Strategien).
Im Gegensatz zur Anlageberatung ist für die Bereitstellung von Finanzinformationen keine spezielle Erlaubnis der BaFin oder IHK erforderlich. Aus den oben genannten Gründen wird fast immer ein Disclaimer verwendet, der darauf hinweist, dass die Inhalte keine Anlageberatung darstellen und keine Haftung für Anlageentscheidungen übernommen wird.
Insbesondere das Bereitstellung von Finanzinformationen ist für Finfluencer ein interessantes Betätigungsfeld um Aufmerksamkeit zu generieren. Content Creatoren sehe ich in dem Bereich nicht, da es oft um aktuelle Berichterstattungen geht, die auf Dauer ohne monetäre Anreize nicht umsetzbar sind. Finfluencer nutzen gängige Social Media-Plattformen, um Finanzthemen für breite, oft jüngere Zielgruppen leicht auffindbar und konsumierbar zu gestalten. Komplexe Begriffe erklären sie in einfacher Sprache und mit visuellen Hilfen, was das Verständnis fördert. Zudem können sie schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren und durch interaktive Formate direkt auf Fragen der Community eingehen.
Bei der Bereitstellung von Informationen begeben sich Finfluencer oft eine Grauzone, wodurch die Grenze zur Anlageberatung verschwimmt. Eine emotionale oder sehr überzeugende Darstellung kann vom Follower als persönliche Empfehlung missverstanden werden. Dies birgt rechtliche Risiken für den Finfluencer und finanzielle Risiken für den Follower.
Einige Finfluencer können dazu neigen, hochspekulative Produkte (z.B. bestimmte Kryptowährungen, Derivate) oder aggressive Trading-Strategien zu bewerben, oft mit unrealistischen Gewinnversprechen. Sie können Hype-Phänomene und Herdenverhalten verstärken, was zu unüberlegten und riskanten Anlageentscheidungen führen kann.
Begeben sich Finfluencer in die Grauzone, besteht aufgrund der fehlenden Berücksichtigung der persönlichen Gegenheiten sofort das Risiko, dass was für den einen Anleger funktioniert, möglicherweise für einen anderen Anleger mit anderen Zielen und finanziellen Möglichkeiten völlig ungeeignet ist.
3. Anlageberatung
Anlageberatung ist die Abgabe einer persönlichen Empfehlung an einen Kunden zu Geschäften mit bestimmten Finanzinstrumenten. Im Kern umfasst Anlageberatung eine individuelle Analyse, spezifische Produktempfehlungen, une eine Geeignetheitsprüfung.
Echte Anlageberatung ist in Deutschland streng reguliert und erfordert eine entsprechende Erlaubnis. Der Berater haftet für eine fehlerhafte Beratung.
Content Creatoren und Finfluencer sind keine regulierten Anlageberater. Sie sind weder befugt noch berechtigt, individuelle Finanzberatung anzubieten, die auf die persönlichen Verhältnisse ihrer Follower zugeschnitten ist (persönliche Bedarfs- und Risikoprofilanalyse). Aufgrund der strengen rechtlichen Konsequenzen ist es unwahrscheinlich, dass ein Finfluencer ohne die entsprechende Erlaubnis eine solche Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen würde.
4. Vermögensberatung
Vermögensberatung wird oft als Sammelbegriff für eine ganzheitliche Finanzberatung (oft provisionsbasiert, durch große Finanzvertriebe durchgeführt) und ganzheitliche Finanzplanung (oft Honorarbasiert durch Anlageberater) verwendet. Auch fällt darunter die Finanzportfolioverwaltung, die in Deutschland einer sehr strengen und umfassenden Regulierung unterliegt.
Content Creatoren und Finfluencer auf der einen Seite und Vermögensberater auf der anderen Seite agieren in unterschiedlichen Sphären, die sich aber in der Zielgruppe (Menschen, die etwas über Finanzen lernen oder entscheiden wollen) überschneiden. Dadurch dass die Vermögensberatung in der Regel eine individuelle, lizensierte und haftungsbewehrte Dienstleistung ist, wird auch hier ein Content Creator oder Finfluencer ohne die entsprechende Erlaubnis eine solche Bezeichnung für sich nicht in Anspruch nehmen.
Learning: Content Creatoren und Finfluencer bewegen sich im Bereich der Finanzbildung und der Bereitstellung von Finanzinformationen. Sie sind weder befähigt noch berechtigt Anlageberatung-/Vermögensberatung durchzuführen. Sie kann aus fachlichen und regulatorischen Gründen nur von Honorarberatern übernommen werden.
Ein erster Versuch einer Abgrenzung:
Content Creator, Influencer, Finfluencer (April 2025)
Was auf den ersten Blick vielleicht unkompliziert oder sogar vorteilhaft erscheint – die kostenlose Bereitstellung von Finanzinformationen – offenbart bei genauerer Betrachtung Abgrenzungsschwierigkeiten.
Zunächst würde ich Personen, die Finanzinformationen bereitstellen als Content Creator bezeichnen. Content-Creator ist ein englischer Begriff, der Personen beschreibt, die digitale Inhalte für verschiedene Online-Plattformen erstellen und veröffentlichen. Der Fokus liegt auf der Erstellung von Inhalten, die einen Mehrwert (Unterhaltung, Information, Bildung, Inspiration) für ein Publikum bieten.
Die Hauptaufgabe eines Influencers ist hingeben, Einfluss auf die Meinungen, Einstellungen und Kaufentscheidungen seines Publikums zu nehmen. Ihr Fokus liegt auf der Kommunikation und dem Aufbau einer Vertrauensbeziehung zu ihrer Community.
Bisher habe ich Finfluencer als besondere Ausprägung des Influencing gesehen, wobei sich Finfluencer auf Finanzprodukte und -dienstleistungen spezialisiert haben und als Multiplikatoren im Finanzumfeld agieren. So haben sich Finfluencer im Finanzbereich zu einer wichtigen Kraft im Marketing und der Meinungsbildung entwickelt.
Umgangssprachlich neigen wir dazu, jede Person, die auf sozialen Medien oder anderen digitalen Kanälen kostenlose Inhalte rund um Finanzen teilt, pauschal als Finfluencer zu bezeichnen. Allerdings bieten die Personen neben Finanzinhalten oft weitere Dienstleistungen wie kostenpflichtige Kanalmitgliedschaften, Börsenbriefe, Coachings, Schulungsangebote, Seminare und Foren an. Sie nutzen ihre Reichweite, um ihre Angebote zu bewerben. Hier stellt sich die drängende Frage, inwieweit die "Finfluencer-Fahne" nicht primär dazu dient, die eigentlichen kommerziellen Absichten zu verschleiern.
Es wäre für mich Kampf gegen Windmühlen und unrealistisch, den etablierten Begriff "Finfluencer" im allgemeinen Sprachgebrauch zu korrigieren und dessen pauschale Verwendung zu ändern. Deshalb spreche ich von Finfluencer im engeren Sinne, wenn Finfluenzer keine eigenständigen kostenpflichtigen Dienstleistungen (wie Coachings, Seminare oder Börsenbriefe) anbieten. Ihre Monetarisierung erfolgt stattdessen ausschließlich indirekt über Affiliate-Marketing, Werbung oder Sponsoring. Als die klassische Form des Finfluencers im engeren Sinne sehe ich den Finanzblogger.
Theoretisch könnte man eine dritte Kategorie von Finfluencern definieren, die ihre Inhalte ohne jegliche Absicht der finanziellen Kompensation bereitstellen: unabhängig, kosten- und werbefrei ! Die Personen als Finfluencer zu bezeichnen, wäre aber nicht richtig. Hier sollte dann von Content Creatoren gesprochen werden. In der Realität sind mir nur sehr wenige Personen mit signifikanter Reichweite bekannt, die ihre Aktivitäten nicht monetarisieren.
Learning: Ein Content Creator konzentriert sich auf das Erstellen und Teilen von Inhalten, während ein Influencer den Einfluss auf sein Publikum als Hauptziel hat, wofür er Inhalte als Mittel zum Zweck nutzt. Die Besonderheit der Finfluencer ist, dass sie sich auf Finanzprodukte und -dienstleistungen spezialisiert haben.
